Die Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen in Lüchow-Dannenberg
Sichere Orte für Kinder
Pojekt: Sichere Orte für Kinder

Förderung von Maßnahmen und Projekten zur Prävention des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch den Landespräventionsrat.

Der Niedersächsische Landtag hat Ende 2019 entschieden, dem Landespräventionsrat Niedersachsen für das Haushaltsjahr 2020 Mittel zur Förderung von Maßnahmen und Projekten zur Prävention des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Insbesondere sollen Pilotprojekte und Modelle zur Implementierung und Fortentwicklung fachlich fundierter, institutionenübergreifender Kooperationsstrukturen zwischen lokal und regional zuständigen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen, Institutionen und Organisationen sowie Qualitätsstandards für universelle/selektive Prävention im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gefördert werden.

Die spezialisierte Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, Violetta e.V., wird in diesem Rahmen für die Projektdurchführung:

„Sichere Orte für Kinder“ – Möglichkeiten der Intervention und Prävention durch Entwicklung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

gefördert. Im Rahmen des Projektes werden Unterrichtsmodule für angehende Erzieher*innen in Kooperation mit der Fachschule für Sozialpädagogik im Landkreis Lüchow-Dannenberg entwickelt.

„Sexualisierte Gewalt an Mädchen und Jungen findet täglich, real und überall statt. Sexueller Missbrauch gehört noch immer zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland“, stellt der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) auf verschiedensten Pressekonferenzen zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche fest (vgl. UBSKM, 2019).

Schutzkonzepte sollen den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe vor sexualisierter Gewalt gewährleisten. Sie sollen zum einen Bedingungen schaffen, die verhindern, dass die Einrichtung zu einem Tatort sexualisierter Gewalt wird, zum anderen soll in den Schutzkonzepten implementiert werden, dass Kinder und Jugendliche in Einrichtungen kompetente Ansprechpersonen vorfinden, die hinhören, hinschauen und handeln, wenn ihnen sexualisierte Gewalt angetan wird. Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind hochkomplexe, langfristige Prozesse der Analyse, Prävention, der Intervention und Aufarbeitung. Die Dimension sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist nach wie vor hoch. Die Tatorte sind in den meisten Fällen das eigene Zuhause bzw. das nähere soziale Umfeld. Die Täter*innen sind oft nahe Bezugspersonen. In stationären Einrichtungen der Kinder – und Jugendhilfe ist das Risiko von sexualisierter Gewalt betroffen zu werden, für Kinder und Jugendliche, erhöht. Besonders vulnerable Gruppen sind behinderte und geflüchtete Kinder und Jugendliche. In Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind oft andere Jugendliche diejenigen die sexualisierte Gewalt ausüben. Die Taten von Erwachsenen werden in der Regel systematisch und strategisch geplant. Das Leid der Betroffenen und die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich, zum Teil lebenslang. Schutzkonzepte in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sollen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen keine sexualisierte Gewalt erleben und sichere Orte für Kinder und Jugendliche sind. Sensibilisierung und Entwicklung einer präventiven Haltung sind eine Grundlage, damit Kinder und Jugendlichen auf kompetente Pädagog*innen treffen, die hinhören, hinschauen und handeln, wenn die Adressat*innen andernorts z.B. im häuslichen Umfeld von sexualisierter Gewalt betroffen sind.

Schutz und Sicherheit vor sexualisierter Gewalt sind unveräußerliche Rechte von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Auch aus entwicklungspsychologischer und pädagogischer Sicht sind sie von herausragender Bedeutung. Die UN-Kinderrechtskonvention sowie die Rechtsgrundlagen für die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sollen den Schutz von Kindern und Jugendlichen sicherstellen. Rechtliche Grundlagen erheben zumindest den Anspruch, dass Träger, die für die öffentliche Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen vom Staat bezahlt werden, Schutz und Sicherheit garantieren sollten. Erziehungs- und Bildungsarbeit unter förderlichen Bedingungen sind somit Anspruch und Auftrag zugleich.

In der Praxis existiert bislang in der schulischen Ausbildung für Erzieher*innen nur ein Flickenteppich zu den Themen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Allgemeinen und speziell zum Thema Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe als Themenkomplex. Bislang gibt es keine Qualitätsstandards und verbindliche Unterrichtseinheiten in diesem Bereich.

Im Rahmen des Projekts werden Unterrichtseinheiten zu den einzelnen Bausteinen von Schutzkonzepten in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gegen sexualisierte Gewalt für die Lehrkräfte der Fachschule für Sozialpädagogik entwickelt. Die Handreichungen zu den einzelnen Modulen bestehen aus einem Theorieteil zum jeweiligen Themenfeld, aus Übungsanleitungen und Materialien. Gleichzeitig erstellen wir Lernvideos zu den einzelnen Themenfeldern, die dann jederzeit den Lehrkräften als virtuelles Unterrichtsmaterial zur Verfügung stehen.

Die einzelnen Unterrichtsmodule unterstützen die angehenden Erzieher*innen einerseits bei der Erarbeitung einer eigenen präventiven Haltung und vermitteln das notwendige Fachwissen zum Thema sexualisierte Gewalt. Durch die Sensibilisierung und dem Aneignen von Fachwissen werden die angehenden Erzieher*innen in die Lage versetzt, Kinder und Jugendliche kompetent zu begleiten, die eigene Handlungssicherheit wird gestärkt und eine präventive Haltung kann entwickelt werden.

 

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