Pressemitteilung Nach dem
tödlichen Angriff in Stade

Violetta fordert konsequenten Schutz vor patriarchaler Gewalt

Dannenberg/Stade

Die schreckliche Gewalttat in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade, bei der am Montag mindestens sechs Menschen ihr Leben verloren haben, löst bei der Fachberatungsstelle Violetta in Dannenberg tiefe Bestürzung aus. Unsere Gedanken und unsere Solidarität gelten den Opfern, den Überlebenden, ihren Angehörigen sowie den Mitarbeitenden der Einrichtung.

Nach bisherigen Erkenntnissen steht die Tat im Zusammenhang mit einem Sorgerechtskonflikt. Der Fall macht auf erschütternde Weise deutlich, dass Trennungs- und Umgangskonflikte für Frauen und Kinder Phasen einer besonders hohen Gefährdung darstellen können. Gerade in solchen Situationen braucht es eine sorgfältige Risikoeinschätzung und wirksame Schutzmaßnahmen.

„Diese Tat darf nicht als tragisches Familiendrama oder Beziehungsdrama verharmlost werden. Sie steht im Kontext patriarchaler Gewalt. Deren extremste Ausprägung sind Femizide – die Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind oder weil sie sich patriarchalen Besitz- und Kontrollansprüchen entziehen.“ – Team von Violetta Dannenberg

In der öffentlichen Debatte wird derzeit vielfach über die Herkunft des mutmaßlichen Täters gesprochen.

„Dieser Fokus verkennt, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder keine Nationalität, keine Ethnie und keine Religion kennt und er lenkt von den eigentlichen Ursachen der Gewalt ab. Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein strukturelles gesellschaftliches Problem. Sie wurzelt in patriarchalen Macht- und Kontrollvorstellungen, die sich durch alle gesellschaftlichen Gruppen ziehen.“

Der Angriff wirft zugleich Fragen nach dem Schutz besonders gefährdeter Frauen und Kinder auf. Mutter-Kind-Wohngruppen und andere Schutzeinrichtungen müssen sichere Zufluchtsorte sein. Wenn selbst dort tödliche Gewalt möglich wird, zeigt dies den dringenden Handlungsbedarf bei Sicherheitskonzepten, der Gefährdungseinschätzung und der Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden.

„Ein wirksamer Gewaltschutz braucht mehr als Betroffenheit nach einer solchen Tat. Er braucht sichere Schutzeinrichtungen, die konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention und ausreichend finanzierte Fachberatungsstellen. Der Schutz von Frauen und Kindern muss mit langfristig gesicherten finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.“

Die Fachberatungsstelle Violetta appelliert an Politik und Gesellschaft, geschlechtsspezifische Gewalt als das zu benennen, was sie ist:

ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Nur wenn ihre strukturellen Ursachen anerkannt werden und Prävention, Beratung und Schutz dauerhaft gestärkt werden, können Frauen und Kinder wirksam vor weiterer Gewalt geschützt werden.