Die Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen in Lüchow-Dannenberg
Pressespiegel Elbe-Jeetzel-Zeitung

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07.07.2020
Die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt ist künftig auch im Südkreis präsent

“Violetta eröffnet Außenstelle in Clenze”

Vor einigen Tagen hat die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Violetta in Clenze eine Außenstelle eröffnet – und jetzt hängt auch das Türschild an dem Haus in der Langen Straße.

Text und Bild von Rouven Groß

Clenze. Seit vielen Jahren hilft Violetta Mädchen und Frauen, und seit einigen Monaten auch Jungen und Männern, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Mehr noch: Die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt mit Sitz in Dannenberg leistet auch Präventionsarbeit, damit Menschen gar nicht erst Opfer werden und Täter gar nicht erst Täter. Der Bedarf nach solcher Beratung ist enorm, aus dem gesamten Kreisgebiet kommen Menschen, die missbraucht wurden, in die Dannenberger Bahnhofsstraße. Und nicht erst seit Violetta in das Programm “Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt” des Bundesfamilienministeriums aufgenommen wurde, kommen auch Betroffene aus den Nachbarlandkreisen. Viele aber kommen eben auch nicht, denn neben der Scheu, der Hemmung, Hilfe zu suchen, kommt gerade für Opfer sexualisierter Gewalt aus dem Süden Lüchow-Dannenbergs hinzu, dass sie oftmals gar nicht nach Dannenberg kommen können. Weil sie nicht mobil sind, kein Auto haben oder – oftmals noch – nicht Auto fahren dürfen. Für diese Menschen hat Violetta jetzt eine Außenstelle in Clenze eröffnet. “Weil wir wissen, dass es hier Bedarf nach Beratung gibt”, sagt Dolly Tembaak, die die Außenstelle betreuen wird. Im Südkreis, aber auch in den angrenzenden Landkreisen Uelzen und Salzwedel.

Freie Mittel dank Bundesprogramm

Die Außenstelle von Violetta ist in bester Lage mitten im Ort in Büroräumen über der Clenzer Bücherei untergekommen. Durch Zufall hatte sie davon erfahren, dass die Räume, in denen auch schon einmal der Clenzer Jugendtreff zuhause war, zu vermieten seien, erinnert sich Dolly Tembaak. Und die Förderung durch die Aufnahme in das Programm “Wir vor Ort” habe es möglich gemacht, den schon länger gehegten Plan, ein Angebot im Südkreis zu schaffen, in die Tat umzusetzen: “Der Förderverein, der Violetta unterstützt, muss dank der Finanzmittel aus dem Programm nicht so viel Geld zur Beratung zuschießen, so dass bis zum Auslaufen des Projektes Geld verfügbar ist, das uns ein Anmieten dieser Räume ermöglicht”, so Tembaak. Bislang sei es so, dass “jemand aus Clenze, der mittags bei uns in Dannenberg ein Gespräch, eine Beratung hat, aber nicht mit dem Auto kommen kann, morgens um acht in den Bus steigt und nachmittags um vier wieder zuhause ist. Das ist kein Zustand.”
Daher nun also die Außenstelle in Clenze. “Das hat zwar mit dem Programm des Bundesministeriums nicht direkt zu tun, aber es ist schon so, dass es dem Ziel des Programms, Beratung bei sexualisierter Gewalt im ländlichen Raum zu verbessern, dient”, erläutert Tembaak. Weil es den Lüchow-Dannenberger Südkreis versorgt, aber eben auch die Landkreise Uelzen und Salzwedel. “Wir haben seit der Aufnahme in das Programm, seit dem Besuch der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei uns in Dannenberg und die Berichterstattung darüber deutlich mehr Fälle, und darunter sind auch Menschen aus Orten noch hinter Uelzen und Salzwedel”, sagt Dolly Tembaak. In beiden Landkreisen gebe es nämlich keine Beratungsstellen wie Violetta, im Landkreis Lüneburg übrigens auch nicht.
Kontakt weiter über Dannenberg
Die Außenstelle in Clenze sei jedoch nur genau das: eine Außenstelle, betont man bei Violetta. Dort werden nur Beratungsgespräche und – wenn sich das ergibt – Gruppensitzungen stattfinden. Die gesamte Verwaltung laufe weiter über Dannenberg, und dort können sich auch Betroffene telefonisch oder per Mail melden, um einen Termin in Clenze zu vereinbaren. “Auch dort ist es so eingerichtet, dass sich Betroffene, die kommen, nicht begegnen, dass die Anonymität strikt gewahrt bleibt”, betont Dolly Tembaak. Die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Violetta ist zu erreichen unter Telefon (05861)986800 oder per E-Mail an kontakt@violetta-dannenberg.de

 



22.06.2020
Beratungsstelle Violetta in Dannenberg bewertet die Debatte über die Missbrauchsfälle in NRW

“Kein Kind kann sich alleine schützen”

Mehr Geld für Prävention und eine achtsamere Gesellschaft: Das fordert die Beratungsstelle Violetta nach den Fällen von sexualisierter Gewalt an Kindern in Nordrhein-Westfalen. Auf.: G. Altmann/Pixabay

22.06.2020 – VON JöRN ZAHLMANN

Dannenberg. Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit: Experten wie die Dannenberger Beratungsstelle Violetta gegen Gewalt an Mädchen und Frauen kritisieren, dass sich die politischen und medialen Diskussionen nicht nur beim aktuellen Fall in Nordrhein-Westfalen um die immer gleichen Schlagworte drehen: etwa um Strafverschärfung, Behördenversagen und einmal mehr um den großen Schock über die Ausmaße.

Mehr Geld für Präventionsarbeit

Das reicht der Dannenberger Beratungsstelle nicht. “Erwachsene brauchen viel mehr Wissen, besonders über die Täterstrategien, die sehr geschickt und hoch manipulativ immer sowohl auf die Kinder als auch auf das erwachsene und institutionelle Umfeld zielen, um die Taten zu vertuschen. Kein Kind kann sich alleine schützen”, sagt Dolly Tembaak, unter anderem Fachberaterin für Psychotraumatologie bei Violetta. Wer sexualisierte Gewalt in seinem privaten oder beruflichen Umfeld nicht für möglich halte, der könne Anhaltspunkte und Hinweise auch nicht erkennen und weitergeben (siehe unten).

Dass ausgerechnet in Nordrhein-Westfalen zum wiederholten Mal ein Täternetzwerk aufgeflogen ist, führt Tembaak auf die gestiegenen Investitionen in die dortige Polizeiarbeit zurück. Gute Ermittlungsarbeit koste ebenso wie Präventionsarbeit an Schulen und Kitas viel Geld – Diskussionen um mehr Investitionen an diesen Stellen seien wichtiger als jene um Strafverschärfung. “Natürlich fordern auch wir als spezialisierte Fachberatungsstelle seit Jahren eine angemessene Einstufung der Taten sowie eine harte Bestrafung sämtlicher
Täterinnen und Täter, aber der einseitige Blick auf Täter und Justiz trübt die Wahrnehmung der Gesamtsituation”, heißt es von Violetta.

Dagmar Freudenberg ist pensionierte Staatsanwältin, 16 Jahre lang hat sie schwerpunktmäßig im Sonderdezernat Sexualstraftaten bei der Staatsanwaltschaft Göttingen gearbeitet. Von einer möglichen Strafverschärfung hält sie nicht viel: “Voraussetzung für ein höheres Strafmaß müsste die Erkenntnis sein, dass sich ein Täter dadurch von der Tat abhalten lässt”, argumentiert Freudenberg. Allerdings funktioniere das Prinzip der Generalprävention, also das der Abschreckung, nur sehr bedingt. “Es ist gut, dass darüber öffentlich diskutiert wird. Man muss allerdings aufpassen, dass man die Grundrechte des Strafrechts nicht außer Acht lässt”, sagt Freudenberg. Ein Urteil sei immer Abstimmungssache zwischen in der Regel drei Berufsrichtern und zwei Schöffen. “Die Richter handeln unabhängig auf Basis des Strafrahmens und ihrer Überzeugung”, berichtet sie. Dabei seien Faktoren wie Gnade, Reue und Schuld nicht objektivierbar und dennoch wesentlicher Bestandteil bei der Findung des Strafmaßes.

Anhaltspunkte erkennen: Was tun bei Vermutungen?

Unter anderem abstrakte, beiläufige Bemerkungen von Kindern wie etwa “Ich will nicht diese komischen Spiele spielen” können laut Violetta auf sexualisierte Gewalt hindeuten. Nicht altersgemäßes, sexualisiertes Verhalten sei ebenso ein mögliches Signal. Wichtig ist, Kindern Vertrauen und Bestätigung zu schenken, wenn sie sich Erwachsenen gegenüber öffnen. “Man sollte unbedingt klarstellen, dass das dann kein Petzen oder Verrat ist. Kinder denken zunächst immer, dass sie selbst schuld sind”, sagt Dolly Tembaak. Erwachsene, die merkwürdige Verhaltensmuster oder Aussagen bemerken, sollten ihre Beobachtungen zunächst detailliert und mit der Angabe von Zeit und Datum niederschreiben und sich dann gegebenenfalls anonym an eine Beratungsstelle wie Violetta wenden. Sie ist unter (05861) 986800 erreichbar

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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